Sie sind hier: 

>> MINT  >> RWTH Aachen 

  |  

Aktuelles

  |  

Termine

  |  

Sitemap

  |  

Kontakt

  |

RWTH Aachen

Praktikumsbericht von Dagny Ullmann)

Ich habe in der Oberstufe des Hansa-Gymnasiums die Leistungskurse Chemie und Biologie belegt. In den Sommerferien 2009 habe ich zehn Tage Praktikum (Ablauf) am DWI, dem Deutschen Wollforschungsinstitut, absolviert. Ich möchte Mitschüler ermuntern, auch ein Ferienpraktikum zu absolvieren (siehe Resumee). Die Berichte über meine Tätigkeiten sollen einen vertieften Einblick geben.

Organisation

Über meine Chemielehrerin Christine Lohmar habe ich von der Möglichkeit erfahren, während der Sommerferien ein Praktikum an der Universität Aachen machen zu können. Nach einigen Kommunikationsschwierigkeiten bekam ich auch die Zusage aus Aachen für das Praktikum. Doch anstelle eines Praktikums in den Materialwissenschaften war leider nur ein Praktikum in der Makromolekularen Chemie möglich. Doch glücklicherweise hat diese Fachrichtung auch Projekte, die sowohl makromolekulare als auch materialwissenschaftliche Ansätze haben.
Nachdem ich die Zusage erhalten hatte, musste ich nur noch eine Unterkunft in Aachen finden. Über das Internet habe ich nach einigen gescheiterten Versuchen endlich eine WG gefunden, die mich für zwei Wochen aufgenommen hat. Auch wenn es sehr mühselig und nervenaufreibend war, eine Unterkunft zu finden, so war es auch eine gute Vorbereitung auf die nach dem Abitur bevorstehende Wohnungssuche. Die Mitglieder der WG waren offen und nahmen mich schnell mit ihrer humorvollen, lockeren Art als ein vollwertiges Mitglied auf. Ursprünglich waren es fünf WG-Mitglieder, vier Studenten und eine Studentin, bevor ich kam. Doch zwei von ihnen, unter anderem die Studentin, waren in Ecuador für zwei Monate – zum Glück, sonst hätte ich das WG-Zimmer nie bekommen. Die WG-Mitglieder, die ich kennen gelernt habe, waren sehr offen, aber auch speziell. Der Medizinstudent lief manchmal mit seinem Reflexhammer durch die Gegend und testete jedermanns Reflexe. Mit dem Mechatronikstudenten habe ich oft Diskussionen über meine Moralvorstellungen geführt, während er den Vergaser seines Mopeds in der Küche auseinander baute. Schließlich am Ende der Diskussionen wurde ich aufgeklärt, dass mit einem Auto im Kreis fahren mit 200 km/h Sport ist. Doch gerade wegen ihrer speziellen Art war es immer lustig mit ihnen.

RWTH Achen in Kürze

RWTH steht für Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule
260 Instituten in neun Fakultäten
eines der führenden europäischen Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen
rund 30.000 Studierende in über 100 Studiengängen
über 5.200 ausländische Studierende aus 130 Ländern
hoher Anwendungsbezug der wissenschaftlichen Ausbildung
Absolvierende sind in der Wirtschaft gefragte Nachwuchs- und Führungskräfte

jedes fünfte Vorstandsmitglied deutscher Konzerne stammt von der RWTH Aachen
Die Arbeit der Forschungszentren ist stark an den aktuellen Erfordernissen der Industrie orientiert
Differenzierung und Spezialisierung aber auch sehr effektive fach- und fakultätsübergreifende Zusammenarbeit in interdisziplinären Verbünden und Foren
Naturwissenschaften, Informatik, Gesellschaftswissenschaften haben einen deutlichen Bezug zum ingenieurwissenschaftlichen Schwerpunkt der Hochschule
Innovationskraft der Hochschule: 1.250 Existenzgründungen
In den letzten 20 Jahren rund 30.000 neue Arbeitsplätze in der Region Aachen
Die RWTH Aachen ist darüber hinaus größte Arbeitgeberin und Ausbilderin der Region
Hohe Qualität in Lehre und Forschung bilden den Ausgangspunkt für die internationale Zusammenarbeit der RWTH Aachen
Exzellenzinitiative: Bewilligung von insgesamt drei Exzellenzclustern, einer Graduiertenschule und des Zukunftskonzepts „RWTH Aachen 2020: Meeting Global Challenges“

(Zusammenfassung des "Profils " der RWTH, gefunden unter: http://www.rwth-aachen.de/go/id/vex/)

Freizeit

Aachen hat eine wunderschöne Altstadt mit vielen kleinen, verwinkelten Gässchen und mindestens genauso vielen Cafés wie es Bäume in Aachen gibt. Die Studenten verbringen dort sonnige Nachmittage nach anstrengenden Vormittagen an der Universität.
Im Zentrum der Stadt ragt das Rathaus hoch über die anderen Häuser hinaus. Ein Besuch des Rathauses ist in jedem Falle lohnenswert – außerdem gibt es einen ermäßigten Eintritt aufgrund der Neueröffnung. Im Rathaus erhält man kostenfrei – abgesehen vom Eintritt – ein Audiogerät. Auf diese Weise erfährt man viel über die Geschichte des Rathauses und der Stadt Aachen. Besonders interessant fand ich, dass Karl der Große, lateinisch auch Carolus, der seinen Regierungssitz in Aachen hatte, die deutsche Rechtschreibung nachhaltig geprägt hat. Neben der Groß- und Kleinschreibung hat er die Trennung der Wörter voneinander eingeführt. Außerdem sind viele der im Rathaus gezeigten Ausstellungsstücke auch für die heutige Zeit bedeutsam.
Direkt gegenüber vom Rathaus liegt der Aachener Dom. Auch ihn sollte man wenigstens einmal von Innen betrachtet haben. Durch die Goldverkleidung an Decken, Wänden und am Fußboden erhält er einen strahlenden Glanz.
Außerhalb des Altstadtkerns liegt der Lousberg, der seinen Ruf durch seine außerordentliche Höhe erhielt. Ursprünglich wurde dieser für Vermessungen der Umgebung genutzt, indem man einen Obelisken aufstellte, den man in der Umgebung noch von weiter Ferne erkennen konnte. Allerdings zeichnete man Karten früher nicht aus der Vogelperspektive, sondern von der Seite, wodurch die Zeichnung ein wenig verzerrt war und die Entfernungen verfälscht. Laut der Aachener Geschichten soll der Lousberg durch eine List einer Aachenerin entstanden sein.
In Vaals, einem kleinen Örtchen außerhalb von Aachen, liegt der „Drilandenpunkt“, auf Deutsch „Dreiländerpunkt“. Dies ist ein Abschnitt von etwa 3m2, in dem sich Deutschland, Niederlande und Belgien treffen. Während des ersten Weltkrieges war dieses Stück Land sogar neutral.
Neben den genannten Sehenswürdigkeiten sollte man auch noch, wenn man schon in Aachen ist auf jeden Fall Maastricht, die Bondstraße und die vielen Parks besuchen.
Alles in allem ist Aachen eine wunderschöne Stadt, allerdings fehlte mir als Hamburgerin Wasser: Es gibt keinen Fluss und der nächste See ist eine dreiviertel Stunde mit dem Auto entfernt. Also blieb mir nur noch das Freibad übrig, welches an sonnigen Tagen rappelvoll ist und sich nur noch zum meditativen Rumdümpeln und zum kurzen Abkühlen eignet.

Resumee

Das Praktikum hat mir sehr viel Spaß gemacht und mir auf jeden Fall bei der Wahl meines Studienganges geholfen. Zwar bin ich mir immer noch nicht sicher, welchen Studiengang ich wählen werde, aber ich weiß, dass dieser auf jeden Fall ein chemisch orientierter sein wird. Doch auch die beiden Tage in dem biologischen Bereich waren wichtig, da ich erkannt habe, dass ich nicht einen rein chemischen Studiengang belegen möchte. Also werde ich mich nach einem Studiengang umschauen, der die Fächer Biologie, Chemie, Mathe und Technik abdeckt.
Neben dem Praktikum habe ich das Unileben kennen gelernt: Die an der Universität arbeitenden Studenten und Angestellten waren alle sehr nett, aufgeschlossen und hilfsbereit. Auch sprachliche Hürden der internationalen Studenten wurden humorvoll mit Gestiken überwunden. Doch ohne Englisch kommt man in der Universität zumindest im Forschungsbereich nicht weiter. Alle Abschlussarbeiten müssen auf Englisch verfasst werden und die meiste Fachliteratur ist ebenfalls auf Englisch. Außerdem gibt es, wie schon erwähnt, viele ausländische Studenten aber auch Gastdozenten. Trotz der Sprachbarrieren war die Atmosphäre an der Universität sehr entspannt, da sich jeder selbst seinen Tag einteilte und man nur Aufgaben erhielt, die in einem bestimmten Zeitraum erfüllt sein mussten.
Aber meistens ist Forschung trotz entspannter und lockerer Atmosphäre ganz und gar nicht entspannt. Häufig erhält man nicht die erwarteten Ergebnisse, die an falschen Versuchsdurchführungen scheitern oder man hat keinen Anhaltspunkt, wo man überhaupt mit seiner Arbeit beginnen kann. In den allerseltendsten Fällen verläuft alles ohne Probleme.
Bevor man allerdings forschen kann, muss man eine Firma finden, die jemandem einen Forschungsauftrag geben und die Arbeit finanzieren. Das heißt, man ist eigentlich stark an die Vorgaben von Firmen gebunden. Forschen auf eigene Faust kann man nur, wenn den entsprechenden Rückhalt hat. Diese Informationen zum Ablauf und Aufbau der Forschung waren wichtig für mich. Mein Ziel war und ist es immer noch in die Forschung zu gehen, doch habe ich jetzt ein anderes, nicht mehr allzu idealistisches Bild von der Forschung. Und obwohl mir während der Praktikumszeit gezeigt wurde, dass man auch mit einer Ausbildung eine große Auswahl an chemischen Berufen hat, möchte ich trotzdem gerne studieren. Ich bin ein neugieriger Mensch und würde naturwissenschaftliche theoretische Zusammenhänge gerne genau wissen, die ich wahrscheinlich in einer praktisch orientierten Ausbildung nicht so genau vermittelt bekäme.
In allen chemischen Berufen aber, unabhängig davon, ob man eine Ausbildung oder ein Studium gemacht hat, muss man viel Ausdauer und Geduld besitzen. Häufig muss man zum Herstellen von Mischungen lange stehen und teilweise bis zu zehn Stunden längere Synthese beaufsichtigen – falls es noch kein Gerät für diese Arbeit gibt. Außerdem darf man keine Angst vor Spritzen haben, denn die verwendet man täglich. Auch Genauigkeit ist erfordert, da schon Waagen, die nur drei Stellen hinter dem Komma anzeigen, als ungenaue „Kartoffelwaagen“ gelten.Mir hat das Praktikum viel Spaß gemacht und es ist in jedem Falle empfehlenswert ein Praktikum zu machen, wenn man noch nicht weiß, was man studieren soll. Und selbst man feststellt, dass man doch nichts in dem Fachbereich, den man sich ausgewählt hat, machen möchte, so ist man doch einen Schritt weiter.