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In schwarzen und weißen Schränken

Riesenmuschel und andere Molluskenschalen 

Als ich - Karsten Gärtner - 1960 in die 5. Klasse des Hansa-Gymnasiums eingeschult wurde, befand sich die Biologie-Abteilung noch im 2. Stock des Altbaus - hinten der düstere Sammlungsraum mit den hohen, schwarzen Schränken, vorn die Unterrichtsräume, in denen ich noch auf harten, dunklen Bänken saß, die fest mit schrägen Pulten verbunden waren. Bald darauf wurden die Räume renoviert, aber leider ist keine einzige dieser Bänke aufbewahrt worden. - 1975 zog die Biologie in den gerade fertig gestellten Neubau um. Dem hartnäckigen Einsatz des damaligen Sammlungsleiters Elfried Graumann ist zu verdanken, dass es seitdem drei statt der vom Amt vorgesehenen zwei Fachräume gibt, in denen bis heute sämtlicher Biologie-Unterricht in den Fachräumen stattfinden kann. Der Umzug hatte noch einen weiteren Vorteil, nämlich die komplette Erneuerung des Mobiliars. Für das mikroskopische Praktikum wurden die Tische in zwei Räumen mit Steckdosen ausgestattet und weil die Kabel durch die Tischbeine und den Fußboden verlaufen, sind die Tische unverrückbar fest geschraubt, was auch Nachteile hat. Die neue Generation der Sammlungsschränke war weiß und die alten, schwarzen Schränke wurden - soweit sie nicht ausgemustert und auf den Dachboden gebracht worden waren - kurzerhand weiß übergemalt! Zum Glück haben wir jetzt beim Aufräumen einen noch unverdorbenen Sammlungsschrank der alten Generation auf dem Dachboden entdeckt, der sogar noch das mit Heftzwecken befestigte Etikett „Niedere Tiere“ trägt. Zum Jubiläum „125 Jahre Hansa“ im Mai 2008 wurde er als Museumsschrank aufgestellt.
Schwarz wie die Sammlungsschränke waren früher auch die Sockel der Präparate - alles also düster und für Manchen auch etwas unheimlich. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt, wenn dazwischen hohe Glaszylinder mit in Formalin eingelegten menschlichen Embryonen, Kraken oder aufgeschlitzten Fischen oder Ratten standen. Wenn nun also in unserem antiken, schwarzen Museumsschrank einige der ebenso alten Sammlungsstücke ausgestellt werden, kann es sein, dass für die Einen das reine Gruselkabinett entsteht, für die Anderen aber sind das Raritäten, die heute überhaupt nicht mehr zu beschaffen wären, z.B. schwarze Barten vom Blauwal, porzellanartige Zähne vom Pottwal, das Horn eines Nashornes, ein Stück getrockneter Elefantenhaut, Haigebisse, Sägefischsägen, handgefertigte Modelle vom menschlichen Auge und Ohr.

   
Vieles ist längst durch Kunststoffmodelle oder andere Medien ersetzt worden, aber einige Stücke aus der „Gründerzeit“ sind noch heute unschlagbar, z. B. die Reihe von acht Furchungsstadien der befruchteten Eizelle - mehr Anschauung geht nicht! Aber man muss sie behandeln wie rohe Eier, denn sie sind aus Gips, mit Messing-Halterung auf schwarzem Holzsockel - wunderbar!  
   

„Das übernimmt unsere Haftpflicht, bestellen Sie ein neues und schicken Sie uns die Rechnung!“ Gemeint war das 40 cm lange Skelett einer Smaragdeidechse, das einem Schüler herunter gefallen war. Aber unser Lehrmittelhändler musste passen - nicht zu beschaffen! Also wurden die versehrten Teile wieder zusammen geklebt und unser Eidechsenskelett kam wieder in sein Glaskästchen. Nur durch vorsichtigen Umgang und sorgsame Pflege ist unsere kostbare Sammlung zu erhalten. - Gelegentlich bekommen wir aber auch heute noch Stücke, die es eigentlich nicht mehr gibt, z.B. eine 27,5 kg schwere Schale einer Riesenmuschel, einen Armreifen aus Elfenbein, ein Portemonnaie aus Waranleder - beschlagnahmte Mitbringsel von Touristen, die uns der Zoll überlassen hat.