Der lange Weg zum Diorama

Es ist schon seit Jahrzehnten unser Anliegen, die Sammlung nicht nur nur im Magazin verstauben zu lassen sondern daneben auch eine Schausammlung aufzubauen, die Allen zugänglich ist. Nach dem Umzug in den Neubau wurde daher ein neues Konzept verwirklicht: Auch in den Unterrichtsräumen wurden Sammlungsschränke aufgestellt, in denen die schönsten Stücke - systematisch geordnet - ausgestellt wurden, z. B. im Fachraum der Unterstufe in sechs großen Schränken die Wirbeltiere von den Fischen bis zu den Säugetieren. - Zur Woche der offenen Tür gab es aufwändige Ausstellungen auf dem Biologie-Flur, die immer rege Beachtung fanden, vor allem bei den Kindern. Da ragten Bäume bis zur Decke, da gab es Farn und Laub, auch einmal eine echte Wasserfläche mit Schilf und Entengrütze und natürlich unsere schönsten Stopfpräparate wie Fuchs, Dachs, Eichhörnchen, Graureiher usw. Als die Woche von einem einzelnen Informationstag abgelöst wurde, war fraglich, ob das Verhältnis von Aufwand zu Nutzen noch stimmte.
Von längerer Dauer waren die Ausstellungen in den sechs Schaukästen auf dem Flur, die von Herrn Graumann geplant und nach und nach vom Laboranten (so etwas gab es früher!), Alfred Bornstein, gebaut wurden. Themen dieser Ausstellungen waren u.a. die Nordsee, die Südsee und die Evolution des Menschen. Durch das Thema „Stoffkreislauf im Wald“ kamen wir zur ersten Landschaftsausstellung mit Hintergrundbild. Bei der viel zu geringen Tiefe der Schaukästen von höchstens 30 cm konnte jedoch kaum der Eindruck einer wirklichen Landschaft geweckt werden. Erst als durch eine Umbaumaßnahme zufällig eine „tote Ecke“ im Durchgang zum Neubau entstanden war, konnte ein richtiges Diorama, also „ein plastisch wirkenden Schaubild, bei dem Gegenstände vor einem gemalten Rundhorizont aufgestellt sind und teilweise in diesen übergehen“, geplant werden.
Der Kunstmaler und Graphiker Werner Schultz, der unter anderem das eindrucksvolle Dünen-Diorama in Boberg geschaffen hatte, unterstützte uns bei der Planung und Durchführung mit vielen wertvollen Tipps, so dass im Laufe des Winters 2007 unter den Händen unseres Hausmeisters Dieter Reppenhagen eine Art Podest mit Schaufenster entstand.
Für den Rundhorizont wurde eine Platte entsprechend gebogen und von unserer Oberstufenschülerin Wiebke Gärtner liebevoll bemalt. Pflanzen wurden getrocknet, Bäume gefällt, Blätter von Erle und Weide gepresst, bemalt und mit dünnem Draht an Zweigen befestigt, die wiederum in vorbereitete Bohrlöcher der Baumstämme gesteckt wurden. Vieles ließ sich aber nicht im präparierten Zustand aufstellen, so z.B. die sehr hinfälligen Blüten der Kuckuckslichtnelke. „Die muss man aus Papier nachbauen“ war in solchen Fällen der lapidar klingende Tipp unseres Altmeisters Werner Schultz. Das hieß: Papier pink einfärben und Blüten ausschneiden.
7 500 Schnitte für 150 Blüten
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Wir brauchten 150 Blüten mit je fünf Blütenblättern mit je vier Zipfeln - dafür waren insgesamt 7.500 Schnitte mit der feinen Silhouettenschere erforderlich, wofür einige Schülerinnen und Schüler sogar in den Sommerferien in die Schule kamen. Die Zipfel der fertig ausgeschnittenen Blüten wurden über einen Zahnstocher gerollt, um ihnen die unnatürlich wirkende Starrheit zu nehmen, in der Mitte wurden mit ein paar Pinseltupfern die Staubblätter nachgeahmt und schließlich kamen die fertigen, künstlichen Blüten auf echte, getrocknete Stängel. Ähnlich war es mit den Tieren: Von den Schnecken sind nur die Gehäuse echt. In diese hat der Oberstufenschüler Tobias Voß die künstlichen Weichkörper hinein modelliert. |
Das fertige Diorama zeigt die drei Stadien der Vegetationsentwicklung im Billetal: Den Erlenbruchwald, die farbenprächtige Feuchtwiese mit Orchideen, die durch Rodung des Waldes und durch Mähen entstanden ist, und eine Hochstaudenflur mit Brennnesseln und Schilf, zu der sich die Wiese entwickelt, wenn das Mähen aufgegeben wird. Die Orchideenwiesen können nur durch regelmäßiges Mähen erhalten werden - Naturschutz mit der Sense! So ist unser Diorama nicht nur ein Schmuckstück sondern gleichzeitig ein Plädoyer für die Erhaltung der Vielfalt im Billetal.
