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Interview

Faszination der Extreme

Interview mit Dr.-Ing. Marc Hölling, Prozess-Technologie, ArcelorMittal Hamburg GmbH

NaT:
Herr Dr. Hölling, wenn Sie einem Schüler ihr Arbeitsfeld beschreiben sollten, was würden Sie sagen?

Dr. Hölling: Als Verfahrenstechniker in einem Stahlwerk beschäftige ich mich vorwiegend mit der energetischen Analyse und Optimierung der einzelnen Prozesse. Hierzu muss ich mich immer wieder in neue Themenbereiche einarbeiten und Lösungsvorschläge erstellen, wozu neben der technischen Machbarkeit auch die Wirtschaftlichkeit gehört. Dadurch, dass ich Projekte für nahezu alle Produktionsbereiche bearbeite, bekomme ich Einblick in unterschiedliche Prozessschritte und bin dadurch mit dem kompletten Produktionsablauf vertraut.
NaT: Was sollte man studieren, welche Schulfächer sind wichtig für Ihre Arbeit?

Dr. Hölling: Für meine Position bietet sich ein Studium der Verfahrenstechnik oder des Maschinenbaus an, da diese Ausbildung gut auf Fragestellungen bezüglich Energie und Energieoptimierung vorbereitet. Als Schüler/-in sollte man bereits ein Interesse für Mathematik, Physik und Chemie mitbringen, da diese Fächer wichtig für ein ingenieurwissenschaftliches Studium sind. Außerdem werden gute Englischkenntnisse heutzutage vorausgesetzt, da gerade in einem internationalen Unternehmen wie ArcelorMittal die Kommunikation z.T. auf Englisch stattfindet. Wenn möglich, sollte man die Studienzeit für einen Auslandsaufenthalt nutzen, um die Sprachkenntnisse weiter zu vertiefen.

NaT: Worin liegt die Ingenieurskunst?

Dr. Hölling: Mich faszinieren an der Stahlherstellung die Extreme: Zum Beispiel die hohen Temperaturen von über 1600°C oder die großen Massen von bis zu 150 Tonnen, die im Stahlwerk scheinbar spielend bewegt werden. Trotz der rauen Bedingungen sind die Anforderungen an Qualitätsstahl sehr hoch, sodass gleichzeitig geringe Toleranzen einzuhalten sind. Dies stellt hohe Anforderungen an die Technik bzw. das Know-How. Außerdem ist jede Maßnahme in einem Stahlwerk nur durch Teamwork von Metallurgen, Elektrotechnikern, Maschinenbauern und Verfahrenstechnikern möglich, da auch scheinbar kleine Prozessänderungen große, z.T. auch unerwartete, Auswirkungen auf die Qualität des Stahls haben können.

NaT: Was würden Sie Lehrern raten, um mehr Schülerinnen und Schüler für Technik zu begeistern?

Dr. Hölling: Ich würde empfehlen, den Unterricht möglichst praxisnah zu gestalten und den Schüler/-innen so zu vermitteln, wozu das erlernte Wissen gut ist. Dies können Beispiele aus der eigenen Erfahrung sein, wie z.B. das Energiesparen zuhause, oder auch das Besichtigen von Industriebetrieben, wo die Technik tagtäglich eingesetzt wird.

(Das Interview wurde geführt von der Initiative NaT)