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Interview

Wenn es zischt und raucht, dann ist man dicht an der Metallurgie dran

Interview mit Dr.-Ing. habil. Michael Rösner-Kuhn, Leiter Anwendungstechnik, Hydro Aluminium Werk Hamburg

NaT:
Wenn Sie einem Schüler Ihren Arbeitsplatz beschreiben wollten, was würden Sie dann sagen?

Michael Rösner-Kuhn:
Meine Abteilung ist die technische Schnittstelle zwischen dem Kunden, dem Vertrieb und der Produktion. Alle technischen Belange des Kunden, wie Spezifikationen und Anforderungen seines Materials, Reklamationen, aber auch die kundenbezogene Weiter- bzw. Neuentwicklung von Produkten, wird durch meine Abteilung bearbeitet. Darüber hinaus sind wir in die Forschungs- & Entwicklungsprojekte der Hydro eingebunden und legen die Fertigungsprozesse in unserer Produktion fest.

NaT: Was ist Metallurgie?

Michael Rösner-Kuhn:
Die Metallurgie beschäftigt sich mit den Eigenschaften und den Herstellungsprozessen der Metalle und deren Legierungen, angefangen vom Erz über die Primärerzeugung, den Veredelungs- – und Legierungsprozessen sowie der Legierungsentwicklung und den grundlegenden Formgebungsverfahren wie Gießen, Schmieden und Walzen.

NaT:
Wo und was sollte man studieren, welche Schulfächer sind wichtig für Ihre Arbeit?

Michael Rösner-Kuhn: In der Schule sind Chemie, Physik und Mathematik die wichtigsten Fächer. Besonders Chemie ist wichtig, da es am stärksten zur Entwicklung eines grundlegenden Stoffverständnisses beiträgt. Wenn es zischt und raucht, dann ist man schon dicht an der Metallurgie dran. Jede Form von werkstoffwissenschaftlichem Studium, aber auch ein Studium der Chemie oder der Physik kann zur Metallurgie führen. Metallurgie ist ungeheuer vielseitig und daher eines der interdisziplinärsten Fachgebiete überhaupt.

NaT:
Sie haben für die NASA gearbeitet, was haben Sie dort gemacht?

Michael Rösner-Kuhn: Ich war nicht direkt bei der NASA angestellt, sondern als Missionswissenschaftler über das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt an zwei Shuttle Missionen der Columbia beteiligt. In einem Team aus Amerikanern und Deutschen haben wir mittels eines elektromagnetischen Kraftfeldes Metallproben in Tropfengröße berührungslos in der Schwerelosigkeit zum Schmelzen und Erstarren gebracht und Untersuchungen zur Oberflächenspannung, der Viskosität, der Wärmekapazität und der Erstarrungskinetik durchgeführt. Unbeschreiblich für mich bleibt, dass ich die Schwerelosigkeit in über 160 Flugparabeln über dem Golf von Mexiko bei Nachfolgeexperimenten selbst erleben durfte.

(Das Interview wurde geführt von der Initiative NaT)